Die geplanten Änderungen im hessischen Sozialberufsanerkennungsgesetz (SozAnerkG) – fachfremde Zugänge und ein auf 100 Tage verkürztes Anerkennungsjahr – gefährden Qualität und Sicherheit in der Sozialen Arbeit.
Schon heute schreibt das SozAnerkG für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen und Kindheitspädagogen eine fundierte Ausbildung mit Praxisphase vor. Diese Praxiszeit ist bewusst auf ein ganzes Jahr angelegt, um die notwendige Handlungssicherheit zu entwickeln. Die nun diskutierte Absenkung auf 100 Tage mag formal gesetzlich möglich sein, widerspricht aber dem Sinn des Gesetzes.
Wer mit Kindern, Familien oder vulnerablen Gruppen arbeitet, braucht fundierte Kenntnisse in Recht, Pädagogik, Psychologie und Beratung. Ein „Ausverkauf“ durch verkürzte Ausbildung oder fachfremde Quereinstiege ist der falsche Weg – das gilt ebenso für Lehrer und Erzieher. Man muss aufhören, Probleme mit Qualitätseinbußen als scheinbar einfachste Lösung zu begegnen. Auch relevante Berufsverbände und Vereine haben diese Kritik bereits deutlich gemacht.
Und ganz persönlich: Ich studiere nicht Soziale Arbeit, damit am Ende fachfremde Menschen ohne unsere Ausbildung einfach unseren Job machen. Soziale Arbeit ist nicht Karten spielen und Kaffee trinken – wir tragen enorme Verantwortung für Menschen. Und wenn man schon Quereinstiege plant, muss ganz genau definiert werden, welche Hilfsarbeiten diese übernehmen dürfen – und wo klar die Grenze zu professioneller Sozialer Arbeit liegt.
Denn welches Signal senden wir jungen Menschen, wenn scheinbar jede und jeder „irgendwie“ diese Arbeit übernehmen kann und eine adäquate Ausbildung plötzlich nicht mehr nötig sein soll? Damit entwerten wir nicht nur einen Beruf, sondern schrecken auch motivierte Nachwuchskräfte ab.
Was stattdessen hilft:
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Faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen
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Mehr Studien- und Ausbildungsplätze
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Sinnvolle Nachqualifizierung für Quereinsteiger
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Volle Praxisphasen statt Kürzungen
Fazit:
Dem Fachkräftemangel begegnen wir nicht mit Abstrichen, sondern mit Aufwertung: durch solide Ausbildung, klare Standards und echte Wertschätzung für pädagogische Berufe. Das Sozialberufsanerkennungsgesetz in Hessen muss dabei Leitplanke bleiben – nicht Einfallstor für Qualitätsabbau.